17.06.2026

Elisabet Boehm und die Anfänge der Landfrauenbewegung

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Die Deutsche Post hat Elisabet Boehm in der Briefmarkenserie „Berühmte Frauen“ ein kleines, aber eindrucksvolles Denkmal gesetzt.
Foto: Imago/Schöning

Die UN haben 2026 zum „Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ erklärt. Am Beginn der Landfrauenbewegung in Deutschland steht vor allem ein Name: Elisabet Boehm (1859-1943). Sie veröffentlicht vor gut 100 Jahren die Programmschrift „Die deutsche Landfrau“.

Das Buch beginnt mit Wucht: „Gewaltiges hat der Mann im Laufe der Jahrtausende geschaffen! ... Und die Frau? Was hat die Frau in all diesen Jahrtausenden erdacht und erarbeitet?“

So fragt Elisabet Boehm (1859–1943) vor mehr als 100 Jahren in ihrem Buch „Die deutsche Landfrau und ihr Wirken in Haus und Vaterland“. Das Buch, 1924 in Berlin erschienen, wird in der „Westfälischen Bibliothek der Landwirtschaft“ der Stiftung Landwirtschaftsverlag in Münster-Hiltrup aufbewahrt und ist ein aussagekräftiges Zeugnis aus der Frühzeit der Landfrauen-Organisation in Deutschland.

Die Autorin Elisabeth Boehm, Gutsfrau in Ostpreußen, hat bereits 1898 den ersten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ Deutschlands ins Leben gerufen, dem viele weitere folgen. 1915 schließen sie sich im „Reichsverband der Landwirtschaftlichen Hausfrauenvereine“ zusammen, den Boehm bis 1929 leitet.

„Als erste Stufe eine gute Berufsausbildung“

Dass die Hauswirtschaft im Vereinsnamen groß geschrieben wird, ist kein Zufall. Aus Boehms Sicht fehlen den Frauen auf dem Land gerade in diesem Bereich grundlegende Kenntnisse – „wir Frauen wurstelten unwissend und ziellos jede für sich herum“, schreibt sie später im Rückblick. In ihrer Schrift empfiehlt sie den Leserinnen, „eine Persönlichkeit zu werden, und dazu gehört als erste Stufe eine gute Berufsausbildung“.

Geflügelzucht, Imkerei oder Kenntnisse im Obstbau legt sie den Leserinnen besonders nahe. Weitere Kapitel unternehmen einen „Gang durch den Garten“, blicken auf die Buchführung oder widmen sich der Rolle der Landfrau als Ausbilderin. Boehm beschreibt sowohl die „Poesie des Großreinemachens“ als auch eine „Pflicht zur Führerschaft“ und fragt: „Wie werden wir fähig, soziale Arbeit zu leisten?“

In ihrem Buch plädiert Boehm für den systematischen Aufbau besonderer Berufsschulen, die es damals für Frauen vom Land noch kaum gibt. Auch fordert sie Lehrstühle für Hauswirtschaft an den Hochschulen im Land. Ferner sei „eine Betriebslehre der Hauswirtschaft auf dem Lande“ zu entwickeln.

Als zweite große Aufgabe empfiehlt Boehm den Landfrauen, sich zu organisieren. „Denn vieles, was durch die Landfrau geschehen muss, kann nur durch die Vereinigung der Landfrauen geschehen, durch ein gemeinsames Streben, durch einen gemeinsamen Willen“.

Informationen zur Bibliothek

Die „Westfälische Bibliothek der Landwirtschaft“ (WBL) in Münster-Hiltrup umfasst rund 6500 Bände praxisorientierter landwirtschaftlicher Fachliteratur aus fünf Jahrhunderten. Ein regionaler Schwerpunkt liegt auf Titeln aus Westfalen-Lippe und Nordwestdeutschland. Die Sammlung befindet sich im Eigentum der Stiftung Landwirtschaftsverlag in Münster und ist als Präsenzbibliothek organisiert. Agrargeschichtlich Interessierte können den Bestand digital durchsuchen (WBL-Bestand) und die Bücher nach vorheriger Anmeldung vor Ort nutzen.